Grußworte beim Empfang der Deutschen Botschaft in Riga

Renke Brahms, Friedensbeauftragter des Rates der EKD

17. März 2017

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Kliese,
Sehr geehrter Herr Ušakovs,
Sehr geehrter Erzbischof Vanags,

Exellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder!

Ich bedanke mich herzlich für die Einladung zu diesem Empfang durch die Deutsche Botschaft und die Gelegenheit, hier sprechen zu können.

Ich habe die Ehre und die Freude, Sie im Namen der Evangelischen Kirche in Deutschland herzlich zu grüßen. Wir begleiten die großartige Idee des Europäischen Stationenweges und der Ausrufung zahlreicher Städte Europas zu Reformationsstädten mit großer Freude und tiefer Überzeugung. Eine der Reformationen ging von Wittenberg aus und die reformatorischen Gedanken Martin Luthers, Philip Melanchthons oder auch Johannes Bugenhagens verbreiteten sich in ganz Europa. Das verpflichtet uns in der Evangelischen Kirche in Deutschland nicht nur, die Gemeinschaft der Kirchen in Europa zu pflegen, sondern ist uns selbstverständlicher Auftrag und eine Freude. Kirche kann heute nur europäisch, ja, global gedacht werden. Und sie kann nur ökumenisch gedacht und geglaubt werden, wenn sie nach dem Willen Gottes fragt und der Bitte Jesu um Einheit folgt.

Gerne habe ich die heutige Aufgabe als Leitender Geistlicher der Bremischen Evangelischen Kirche übernommen, da Bremen und Riga auch in der Entwicklung der Reformation viel verbindet.

In beiden Städten waren die Jahre zwischen 1522 und 1524 die entscheidenden reformatorischen Jahre. In Riga war es Andreas Knopken, der von Johannes Bugenhagen beeinflusste Lehrer und Kaplan an St. Petri, der in diesen Jahren die reformatorischen Gedanken nach Riga brachte. In Bremen war es der Mönch Heinrich von Zütphen, der dort mit der ersten reformatorischen Predigt 1522 die Reformation in die Stadt brachte und bis 1524 in Bremen blieb. In beiden Städten spielten ein selbstbewusster Rat der Stadt und die Kaufleute eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung der Reformation. So ist es für mich als Bremer eine besondere Freude, heute hier die Evangelische Kirche in Deutschland zu vertreten.

Auch die heutige internationale, interdisziplinäre Konferenz zum Thema „Reformation in der heutigen Welt. 500 Jahre Reformation“ würdigt den vielfältigen Beitrag der Reformation.

Die Teilnehmenden der Konferenz haben sich heute mit einer Fülle von Themen beschäftigt. Ich will nur zwei Stichworte aus dem Programm aufnehmen:

Erstens das Stichwort von der Freiheit und ihren Grenzen. Die Reformation ist eine der vielfältigen Quellen einer Freiheitsbewegung, die die Welt verändert hat. Und sie hat mit der Betonung der Verantwortung des einzelnen Christenmenschen vor Gott auch zur gesellschaftlichen Teilhabe und zu demokratischen Entwicklungen beigetragen.

Wir erleben aber im Moment auch Bewegungen, die eine Rückkehr zu nationalen Interessen, ja zu nationalistischen und totalitären Gedankengut bedeuten. Damit gehen Abgrenzungen bis hin zu Fremdenfeindlichkeit und einer sprachlichen Verrohung einher, die Freiheit und Demokratie gefährden. In dieser Situation wird deutlich, wie wichtig ein innerer Kompass, eine innere Orientierung ist – eine Haltung, die tatsächlich in Verantwortung für das Ganze dem Nächsten dient. Es ist unsere Aufgabe als Kirchen, in einem reformatorischen Geist auf die im Glauben verwurzelte Freiheit hinzuweisen und dazu einzuladen. Denn ich bin davon überzeugt, dass der Glaube an Christus eine tief gegründete Basis schenkt, die uns frei macht, auf Fremdes, Ungewöhnliches, Neues und auch Bedrohliches zugehen zu können.

Und damit komme ich zum zweiten Stichwort: der Bildung. Von der Reformation ging ein enormer Schub für die Bildung breiter Schichten aus. Verwurzelt in der Freiheit des Gewissens, in der voraussetzungslosen Zuwendung Gottes zu jedem einzelnen Menschen haben die Reformatoren Zugang zur Bildung für alle gefördert und bis hin zu heutigen Entwicklungen Bildung geprägt: für arm und reich, für Mann und Frau, für Kinder und Erwachsene. Zusammen mit der Überzeugung, dass alle Getauften Anteil am kirchlichen Auftrag und Leben haben sollen, hat dieser Grundgedanke Kirche und Gesellschaften verändert. Dahinter sollen und können wir nicht mehr zurück. Das betrifft die Schulen, die theologische Ausbildung genauso wie die Beteiligung von Frauen am Auftrag der Verkündigung und die Rolle der Laien und Ehrenamtlichen in der Verantwortung für unsere Kirchen.

Dass mit den Teilnehmenden und Themen der Konferenz und dem Europäischen Stationenweg an diesem Wochenende die europäische und weltweite Dimension der Reformation in den Blick kommt, ist ein gutes und wichtiges Signal der Verbundenheit der Kirchen über alle Unterschiede hinweg und ein politisches Signal in einer Zeit, in der Europa wieder auseinanderzufallen droht.


Sehr geehrte Damen und Herren!

Riga und Bremen verbindet auch eine lange Städtepartnerschaft. Deshalb freue ich mich, Ihnen auch einen Gruß des Präsidenten des Bremer Senats und Bürgermeisters, Dr. Carsten Sieling überbringen zu dürfen.

Er schreibt: Grußwort folgt.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit!